Die drei Elemente des Bettes

Das Bett als Kult.

Unter all den Mittelmeervölkern der Antike, die das Bett auch als wichtigen Ort des geselligen Lebens benutzten, stehen die Etrusker an erster Stelle. Sie haben ihre Schlafstätten in zahlreichen bildlichen Darstellungen auf Fresken, Vasen und Sarkophagen verewigt. Auf ihren Darstellungen zeigen sie Frauen, Männer und Paare, die sich liebkosen, eine Mahlzeit einnehmen oder einen Weinbecher in der Hand halten. Diese künstlerische Huldigung der Genüsse, die das Bett bereithält, zeigt in ihrer Häufigkeit kultischen Charakter.

Genußmenschen und Kreative im Bett.

Im Bett lassen sich viele Dinge tun. Nicht nur Schlafen, nicht nur Lieben. Teigkneten beispielsweise gehörte in Rumänien zu den winterlichen Bettbeschäftigungen und John Milton hat, wie überliefert ist, sein "Verlorenes Paradies" im Bett gedichtet.
Viele Opern Rossinis sind im Bett entstanden. Von ihm ist folgende Anekdote überliefert: Eines Tages vollendete er im Bette liegend gerade ein Duett für eine Oper, die noch am selben Abend uraufgeführt wurde, als ihm das Manuskriptblatt auf den Boden fiel. Um seine bequeme Lage nicht aufgeben zu müssen, schrieb er es lieber noch einmal, als das Blatt vom Boden aufzuheben. Die zweite Fassung unterschied sich gänzlich von der ersten, wurde aber trotzdem ein Erfolg.

Viele Künstler arbeiteten im Bett, unter anderem auch Albert Einstein. Er sah die Formel e=mc² auf einmal vor seinem geistigen Auge, als er gerade ruhte.
Scheinbar untätig, kann sich Geist und Psyche in entspannter, horizontaler Lage oft wesentlich besser entfalten, als auf einem harten Stuhl.

Aber auch sich gegenseitig vorzulesen im Bett, kann ein Hochgenuß sein. Gar nicht zu reden vom gefüttert werden im Bett, mit einer Weintraube, einer Apfelspalte, oder wonach Ihnen auch immer der Sinn steht. Und gar nicht zu reden von den genüßlichen Lesestunden mit einem spannenden Buch, der sonntaglichen Morgenzeitung und der Tasse dazugehörigen Kaffee, dem Häferl Kakao an einem Winterabend, natürlich im Bett genossen.
Unmöglich aufzuzählen, die Vielzahl der Freuden die wir im Bett genießen können, oder könnten ? Wie sagte so klug Karl Valentin: "Wollen tät`ìch schon, aber dürfen trau`ich mich nicht". Puritanische Geisteshaltung steht dem manchesmal im Wege, vergessen Sie "das Bett ist nur zum Schlafen da", genießen Sie es, es ist der gemütlichste Platz in Ihrer Wohnung - oder könnte es zumindest sein ! Wir sehen uns.

Die Lustbetten.

Riesige Betten in der Größe von über 3 m Länge und Breite waren im 16. Jahrhundert keine Seltenheit. Eines dieser Betten, genannt "das große Bett von Ware", ging sogar in die Literatur ein: es wurde sowohl bei Shakespeare, als auch bei Ben Jonson erwähnt. Vielleicht haben sich diese Herren ja selbst einmal in diesem Riesenbett vergnügt. Das große Bett von Ware stand im Gasthaus zur Krone in Ware und beherbergte oft ganze Gesellschaften, die dem lustvollem Spiel der Geschlechter frönten. Sie können es noch heute im Victoria und Albert Museum bewundern.
Ein gewisser Dr. Graham konstruierte 1778 das "Himmliche Bett".
Dieses Bett war mit einer ganzen Batterie schwerer Magneten ausgerüstet. Diese sollten der nachlassenden Sexualkraft zu neuem Leben verhelfen und das Bett zugleich in eine "süße, wallende, kitzelnde, vibrierende, seelenlösende und markschmelzende!" Bewegung versetzt werden. Zudem strömten kostbare orientalische Parfums aus.
Das Bett blieb ein Einzelstück und ging in den Besitz von Amy Lyon, der Tochter eines Hufschmieds, spätere Lady Hamilton und Mätresse Lord Nelsons.

Unerwünschte Bettgenossen.

Läuse, Flöhe und Wanzen sagten dazumals manche Theologen wurden nicht von Gott mit den übrigen Tieren des Paradieses geschaffen. Sie seien Geschöpfe des Sündenfalls.
Jahrhundertelang wurde nichts unversucht gelassen, um diese unerwünschten Bettgenossen auszurotten. Leimruten, Wurmholz, Terpentin und Bier: alles mit mäßigem Erfolg, erst die fortschreitenden hygienischen Maßnahmen haben die äußerst unangenehmen Kleintiere aus den Betten vertrieben - sind sie doch wahre Überlebenskünstler.
Die Bettwanze kann beispielsweise ein ganzes Jahr ohne Nahrung überleben und der Floh entzieht sich nahender Gefahr durch schier unglaubliche Sprünge.
Manche unserer geplagten vorfahren übten sich diesbezüglich in postitivem Denken. Samuel Pepys, ein Lobredner des Zubettgehens, sagte des öfteren wenn er mit anderen gesellig das Bett teilte: "Freut Euch Freunde, die Flöhe halten uns munter!", und John donne fand in dem Floh, der sein Blut und das der Liebsten trank, einen "Zeugen und lebenden Bürger ihrer Liebesgemeinschaft". Nun ja, überzeugt uns auch nicht wirklich.

Die Prunkbetten.

Von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderst waren die Betten prunkvolle Prestigeobjekte. Kunstvoll geschnitzte Bettbeine, aufwendige Kopfhäupter, der verschwenderische Verbrauch exotischer Holzarten, Furniere und Intarsien, sowie üppige Baldachine aus Samt und Brokat dienten als gestalterische Elemente.
Da bremste keine Scheu vor Überladenheit den großen Auftritt: Da es in der feinen Gesellschaft Sitte war, die Gäste im Bett zu empfangen, diente dieses als Bühne für die eindrucksvolle Selbstinszenierung.

Das Bett als Thron.

Geschmackliche Verirrungen der Spitzenklasse: Dieses Bett verdient in dieser Disziplin einen Platz einen Platz in der ersten Reihe. Das Modell "Sonnenthron" wurde im Jahre 1820 für den Günstling des Schahs, Fath Ali, gefertigt. Es stammt aus dem Gulistan-Palast in Teheran.







"Der Traum des Nabobs"


Ende des 19. Jahrhunderts gab der indische Prinz Nabob bei Christofle in Paris sein Traumbett in Auftrag. Eine mehr als fürstliche Schlafstatt aus dunklem Holz mit silbernen und goldenen Applikationen, flankiert von vier lebensgroßen weiblichen Figuren, (selbstverständlich nackt), deren Brüste Getränke spendeten.

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