Im Bett lassen sich viele Dinge tun. Nicht nur Schlafen, nicht nur
Lieben.
Teigkneten beispielsweise gehörte in Rumänien zu den winterlichen
Bettbeschäftigungen und John Milton hat, wie überliefert ist, sein
"Verlorenes Paradies" im Bett gedichtet.
Viele Opern Rossinis
sind im Bett entstanden. Von ihm ist folgende Anekdote überliefert: Eines
Tages vollendete er im Bette liegend gerade ein Duett für eine Oper, die
noch am selben Abend uraufgeführt wurde, als ihm das Manuskriptblatt auf den
Boden fiel. Um seine bequeme Lage nicht aufgeben zu müssen, schrieb er es
lieber noch einmal, als das Blatt vom Boden aufzuheben. Die zweite Fassung
unterschied sich gänzlich von der ersten, wurde aber trotzdem ein
Erfolg.
Viele Künstler arbeiteten im Bett, unter anderem auch Albert Einstein. Er
sah die Formel
e=mc² auf einmal vor seinem geistigen Auge, als er gerade ruhte.
Scheinbar untätig, kann sich Geist und Psyche in entspannter, horizontaler
Lage oft wesentlich besser entfalten, als auf einem harten Stuhl.
Aber auch sich gegenseitig vorzulesen im Bett, kann ein Hochgenuß sein. Gar
nicht zu reden vom gefüttert werden im Bett, mit einer Weintraube, einer
Apfelspalte, oder wonach Ihnen auch immer der Sinn steht.
Und gar nicht zu reden von den genüßlichen Lesestunden mit einem spannenden
Buch, der sonntaglichen Morgenzeitung und der Tasse dazugehörigen Kaffee,
dem Häferl Kakao an einem Winterabend, natürlich im Bett genossen.
Unmöglich aufzuzählen, die Vielzahl der Freuden die wir im Bett genießen
können, oder könnten ? Wie sagte so klug Karl Valentin: "Wollen tät`ìch
schon, aber dürfen trau`ich mich nicht". Puritanische Geisteshaltung steht
dem manchesmal im Wege, vergessen Sie "das Bett ist nur zum Schlafen da",
genießen Sie es, es ist der gemütlichste Platz in Ihrer Wohnung - oder
könnte es zumindest sein ! Wir sehen uns.
Die Lustbetten.
Riesige Betten in der Größe von über 3 m Länge und Breite waren im 16.
Jahrhundert keine Seltenheit. Eines dieser Betten, genannt "das große Bett
von Ware", ging sogar in die Literatur ein: es wurde sowohl bei Shakespeare,
als auch bei Ben Jonson erwähnt. Vielleicht haben sich diese Herren ja
selbst einmal in diesem Riesenbett vergnügt. Das große Bett von Ware stand
im Gasthaus zur Krone in Ware und beherbergte oft ganze Gesellschaften, die
dem lustvollem Spiel der Geschlechter frönten. Sie können es noch heute im
Victoria und Albert Museum bewundern.
Ein gewisser Dr. Graham konstruierte 1778 das "Himmliche Bett".
Dieses Bett war mit einer ganzen Batterie schwerer Magneten ausgerüstet.
Diese sollten der nachlassenden Sexualkraft zu neuem Leben verhelfen und das
Bett zugleich in eine "süße, wallende, kitzelnde, vibrierende, seelenlösende
und markschmelzende!" Bewegung versetzt werden. Zudem strömten kostbare
orientalische Parfums aus.
Das Bett blieb ein Einzelstück und ging in den Besitz von Amy Lyon, der
Tochter eines Hufschmieds, spätere Lady Hamilton und Mätresse Lord Nelsons.
Unerwünschte Bettgenossen.
Läuse, Flöhe und Wanzen sagten dazumals manche Theologen wurden nicht von
Gott mit den übrigen Tieren des Paradieses geschaffen. Sie seien Geschöpfe
des Sündenfalls.
Jahrhundertelang wurde nichts unversucht gelassen, um diese unerwünschten
Bettgenossen auszurotten. Leimruten, Wurmholz, Terpentin und Bier: alles mit
mäßigem Erfolg, erst die fortschreitenden hygienischen Maßnahmen haben die
äußerst unangenehmen Kleintiere aus den
Betten vertrieben - sind sie doch wahre Überlebenskünstler.
Die Bettwanze kann beispielsweise ein ganzes Jahr ohne Nahrung überleben und
der Floh entzieht sich nahender Gefahr durch schier unglaubliche
Sprünge.
Manche unserer geplagten vorfahren übten sich diesbezüglich in postitivem
Denken. Samuel Pepys, ein Lobredner des Zubettgehens, sagte des öfteren wenn
er mit anderen gesellig das Bett teilte: "Freut Euch Freunde, die Flöhe
halten uns munter!", und John donne fand in dem Floh, der sein Blut und das
der Liebsten trank, einen "Zeugen und lebenden Bürger ihrer
Liebesgemeinschaft". Nun ja, überzeugt uns auch nicht wirklich.
Die Prunkbetten.
Von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderst waren
die Betten prunkvolle Prestigeobjekte. Kunstvoll geschnitzte Bettbeine,
aufwendige Kopfhäupter, der verschwenderische Verbrauch exotischer
Holzarten, Furniere und Intarsien, sowie üppige Baldachine aus Samt und
Brokat dienten als gestalterische Elemente.
Da bremste keine Scheu vor Überladenheit den großen Auftritt: Da es in der
feinen Gesellschaft Sitte war, die Gäste im Bett zu empfangen, diente dieses
als Bühne für die
eindrucksvolle Selbstinszenierung.
Das Bett als Thron.
Geschmackliche Verirrungen der Spitzenklasse: Dieses Bett verdient in dieser
Disziplin einen Platz einen Platz in der ersten Reihe. Das Modell
"Sonnenthron" wurde im Jahre 1820 für den Günstling des Schahs, Fath Ali,
gefertigt. Es stammt aus dem Gulistan-Palast in Teheran.
"Der Traum des Nabobs"
Ende des 19. Jahrhunderts gab der indische Prinz Nabob bei Christofle in
Paris sein Traumbett in Auftrag. Eine mehr als fürstliche Schlafstatt aus
dunklem Holz mit silbernen und goldenen Applikationen, flankiert von vier
lebensgroßen weiblichen Figuren, (selbstverständlich nackt), deren Brüste
Getränke spendeten.